Veranstaltungen FAS NRW

Festakt 25 Jahre FAS NRW (11. September 2026)

25 Jahre FAS NRW: Brücken bauen für mehr Teilhabe und Akzeptanz

Rund 170 Gäste, persönliche Geschichten, bewegende Begegnungen und ein gemeinsamer Blick nach vorn:

Am 11. September 2026 feierte der Fachausschuss Suchtselbsthilfe NRW (FAS NRW) sein 25-jähriges Bestehen im Landtag Nordrhein-Westfalen.

Menschen aus der Suchtselbsthilfe, der professionellen Suchthilfe, Politik, Gesundheitswesen und Wissenschaft kamen zusammen, um auf ein Vierteljahrhundert gemeinsamer Arbeit zurückzublicken und darüber zu sprechen, wie Suchtselbsthilfe die Zukunft der Suchthilfe mitgestalten kann.

Der Festakt stand unter dem Motto „Brücken bauen für mehr Teilhabe und Akzeptanz“.

Von der Beteiligung zur selbstverständlichen Mitgestaltung

Seit seiner Gründung im Jahr 2001, die maßgeblich auf die Initiative von Ralph Seiler zurückgeht, verbindet der FAS NRW unterschiedliche Landesverbände, Gruppen und Initiativen der Suchtselbsthilfe. Über Verbandsgrenzen und Suchtformen hinweg bringt er die Erfahrungen und Interessen von Menschen mit Suchterfahrung und Angehörigen in den Austausch mit Politik, Verwaltung, Leistungsträgern und professioneller Suchthilfe ein.

In ihrer Laudatio beschrieb Angelika Schels-Bernards, die für den Arbeitsausschuss Drogen und Sucht der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege NRW sprach, diese Entwicklung als Weg vom bloßen Dabei-Sein hin zu echter Mitgestaltung:

„Weg von der Vorstellung: Wir beteiligen die Suchtselbsthilfe, lassen sie partizipieren. Hin zu der Selbstverständlichkeit: Suchtselbsthilfe gestaltet Suchthilfe mit.“

Damit formulierte sie einen Gedanken, der den Nachmittag prägte: Das Erfahrungswissen von Menschen mit Suchterfahrung und Angehörigen ist unverzichtbar. Ihre Perspektiven gehören von Anfang an dazu, wenn Angebote und Strukturen der Suchthilfe weiterentwickelt werden.

 

Persönliche Erfahrungen, unterschiedliche Wege

Wie wichtig ein respektvoller Umgang und der Dialog zwischen verschiedenen Perspektiven sind, wurde im Podiumsgespräch deutlich. Björn Peterburs (JES NRW) und Ingo Häfner (Kreuzbund DV Essen) sprachen mit Moderator Bernd Hoeber über persönliche Erfahrungen, Unterstützung und die Herausforderungen für die Suchthilfe.

Björn Peterburs brachte eine zentrale Forderung auf den Punkt: „Ein Recht auf respekt- und würdevollen Umgang, den sich keiner erst durch Abstinenz verdienen muss!“

Ingo Häfner hob die Bedeutung des Miteinanders hervor: „Zusammen und miteinander zu reden wird immer wichtiger, um Solidarität und Menschlichkeit gegen den Druck auf das Hilfesystem aufrecht zu halten.“

Die unterschiedlichen Erfahrungen auf dem Podium machten deutlich, wie viel die Suchtselbsthilfe auszeichnet: verschiedene Lebenswege und Ansätze, verbunden durch das gemeinsame Anliegen, Menschen zu stärken und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.

Vielfalt bewahren und neue Wege öffnen

Auch der Sprecher*innenkreis des FAS NRW blickte zurück und richtete den Blick zugleich auf die kommenden Jahre. Eine wichtige Aufgabe bleibt, die Suchtselbsthilfe generations- und suchtformübergreifend weiterzuentwickeln. Bewährte Gruppenangebote und neue Recovery-Formate sollen dabei nicht gegeneinanderstehen, sondern sich ergänzen und voneinander lernen.

Dass aus einer gemeinsamen Idee über viele Jahre etwas Tragfähiges entstehen kann, brachte FAS-Mitinitiator Ralph Seiler in seiner Rückmeldung zum Festakt zum Ausdruck:

„Toll was aus einer kleinen Vision und Idee entstehen kann, wenn der Mensch und die Sache konsequent in den Mittelpunkt gestellt werden, das Gemeinsame, das Verbindende gesucht wird und Gemeinschaft und Solidarität gelebt werden.“

Wertschätzung und Rückenwind

Die Grußworte und Rückmeldungen der Gäste zeigten, wie breit die Suchtselbsthilfe in Nordrhein-Westfalen vernetzt ist. Dr. Anna Larissa Tonn (re. im Bild) gratulierte zu 25 Jahren Engagement für Teilhabe und Akzeptanz.

Claudia Middendorf würdigte den FAS NRW als wichtigen Partner. Stephanie Theiß von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein betonte, dass Suchtselbsthilfe Menschen Mut, Hoffnung und Kraft gibt.

 

Die Posterausstellung zum Jubiläum lud dazu ein, genauer hinzuschauen: Sie machte die Vielfalt der Suchtselbsthilfe und die Entwicklung des FAS NRW sichtbar und bot zugleich viele Anknüpfungspunkte für Gespräche und Begegnungen.

Auch die Vielfalt der im FAS NRW verbundenen Organisationen fand Anerkennung. Patrik Maas, Landesgeschäftsführer der Aidshilfe NRW, beschrieb den FAS NRW in seiner Rückmeldung als lebendige Vernetzung unterschiedlicher Träger und Ansätze. Die Wertschätzung und die vielen persönlichen Gespräche nehmen wir als Rückenwind für unsere weitere Arbeit mit.

Ein Blick von außen – festgehalten im Bild

Volker Voigt begleitete den Festakt als Graphic Recorder und hielt Gedanken, Begegnungen und zentrale Botschaften des Nachmittags in einer großen Zeichnung fest.

Besonders gefreut hat uns auch seine anschließende Rückmeldung. Als Beobachter von außen nahm er einen Gedanken mit, der über den Festakt hinausreicht:

„Sucht ist kein Randthema, sondern überall in der Gesellschaft […] zu finden. Grund genug suchtkranke Menschen genauso normal zu behandeln und ihnen so selbstverständlich zu helfen wie bei einem gebrochenen Arm.“

Sein Blick unterstreicht, worum es bei Teilhabe und Akzeptanz geht: Suchterkrankungen gehören zur gesellschaftlichen Realität. Menschen mit Suchterkrankung und ihre Angehörigen brauchen Sichtbarkeit, Wertschätzung und einen selbstverständlichen, würdevollen Umgang.

Für einen musikalischen Abschluss voller Gemeinschaft und Lebensfreude sorgte der Popchor Lebenshunger. Sein Auftritt blieb vielen Gästen als besonderer Moment des Nachmittags in Erinnerung.

Sie möchten die Festschrift als Broschüre – schreiben Sie uns gerne an: geschaeftsstelle@fas-nrw.de