PositionspapierVerfügbarkeit von Suchtmitteln
In einem gemeinsamen Positionspapier seiner Mitgliedsverbände zur Verfügbarkeit von Suchtmitteln fordert der Fachausschuss Suchtselbsthilfe NRW (FAS NRW) die Regulierung aller Suchtmittel und effektive Präventionsstrukturen.
Das vom Arbeitskreis Politik im FAS NRW entwickelte Forderungspapier „Verfügbarkeit von Suchtmitteln in Deutschland“ wurde interessierten Vertreterinnen und Vertretern der Mitgliedsverbände in einer digitalen Diskussions-Veranstaltung am 11. Juni 2021 erstmalig vorgestellt.
Mit den dabei erarbeiteten Änderungen wurde das Papier bei der Delegiertenversammlung des FAS NRW am 27. November 2021 als gemeinsame Position der 16 Suchtselbsthilfeverbände im FAS NRW einstimmig verabschiedet.
In einer digitalen Pressekonferenz am 28. April 2022 wurde das Positionspapier der medialen Öffentlichkeit vorgestellt und Hintergründe und Forderungen erläutert. Dabei wurden außerdem die Motive und Slogans unserer Postkartenaktion vorgestellt, mit deren Hilfe wir uns öffentlich für eine andere Suchtpolitik einsetzen. Die Aufzeichnung der Pressekonferenz und die dabei gezeigte Präsentation stehen zum Download (s. u.) bereit.
Beim Suchtselbsthilfetag NRW 2022 im Wissenschaftspark Gelsenkirchen am 22. Oktober 2022 wurden das Positionspapier und die Postkartenkampagne nochmals im Rahmen eines World-Cafés vorgestellt. Dabei bestand für die Teilnehmenden die Möglichkeit zur Diskussion mit den Autor*innen und zur Mitnahme der Karten mit den dargestellten Motiven.
Auch die Postkartenmotive stehen zum Download zur Verfügung.
Abstract:
Verfügbarkeit von Suchtmitteln in Deutschland – gesundheitspolitische Perspektiven der Suchtselbsthilfe
Das Positionspapier des Fachausschusses Suchtselbsthilfe Nordrhein-Westfalen (FAS NRW), getragen von 16 Mitgliedsverbänden der Suchtselbsthilfe, analysiert und hinterfragt die gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Auswirkungen der aktuellen deutschen Suchtpolitik. Ausgangspunkt ist die Erfahrung von Betroffenen und Angehörigen, dass sowohl die hohe Verfügbarkeit legaler Suchtmittel als auch die überwiegend repressive Regulierung illegaler Substanzen erhebliche gesundheitliche und soziale Folgeschäden verursachen.
Das Papier kritisiert insbesondere die weitgehend unregulierte Verfügbarkeit legaler Suchtmittel wie Alkohol, Tabak und Glücksspiele sowie die konsumfördernde Werbung und Preisgestaltung in Deutschland. Gleichzeitig wird festgestellt, dass die prohibitive Drogenpolitik gegenüber illegalen Substanzen weder den Konsum noch die gesundheitlichen Risiken nachhaltig reduziert, jedoch zu Kriminalisierung, Inhaftierung und sozialer Ausgrenzung von Konsument*innen beiträgt.
Der FAS NRW fordert daher eine grundlegende Neuausrichtung der Suchtpolitik. Zentrale Elemente sind die Entstigmatisierung von Suchterkrankungen, die Stärkung von Gesundheits- und Konsumkompetenz, eine deutlich intensivierte Prävention – insbesondere bei Jugendlichen – sowie eine regulierte und gesundheitsorientierte Steuerung der Verfügbarkeit von Suchtmitteln. Für illegale Drogen werden modellhafte alternative Regulierungsansätze vorgeschlagen, darunter staatlich kontrollierte Abgabeformen mit integrierten Beratungs- und Hilfsangeboten.
Das Positionspapier versteht Sucht ausdrücklich als Krankheit und fordert eine ganzheitliche, evidenzorientierte Gesamtstrategie, die Gesundheitsschutz und Schadensminimierung stärker gewichtet als Strafverfolgung. Ziel ist die nachhaltige Reduktion suchtbedingter Erkrankungen, Todesfälle und gesellschaftlicher Folgeschäden.