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Der Gender-Fachtag 2021 fand digital statt!

FAS Gender - Fachtag 24.4.2021

Zurück in die Zukunft – Rollenfindung von Suchtkranken und Angehörigen

Referentin: Stefanie Leers

Am 24.04.2021 haben die AKe Frauen und Männer und Sucht des FAS NRW einen interessanten Genderfachtag zum Thema ,, Rollenfindung von Suchtkranken und Angehörigen" als Videoveranstaltung angeboten.

Suchterkrankungen können für Betroffene, Familien, sowie Angehörige zu einer Zerreißprobe werden. Für die Betroffenen scheint sich alles nur noch um das Suchtmittel oder -verhalten zu drehen. Je nachdem, ob die Sucht Stoffbezogen oder nicht ist, geht es um verheimlichen, herunterspielen, besorgen und entsorgen. Zu einer ausgebildeten Sucht gehört, dass der/ die Süchtige alles tun wird um die Sucht weiter ausleben zu können. Nicht nur die Betroffenen sondern auch die Angehörigen verlieren sich in dieser immer weiter drehenden Spirale.

Entgiftung, Therapie und Rehabilitation bieten Suchtkranken die Möglichkeit Abstinent zu werden.

Die Suchtselbsthilfe ist ein weiterer wichtiger Baustein, um den Suchtkranken in seinem Bemühen um Gesundung und in seiner neuen abstinenten Rolle zu unterstützen.

Alles wird gut?

Welche Möglichkeiten besteht für die Angehörigen gesund zu werden?

Kümmere ich mich um den Betroffenen kümmere ich mich nicht um mich!

Jahrelang haben Angehörige sich auf die Suchterkrankung des betroffene Menschen eingestellt. Haben in der Zeit der Erkrankung verschiedene Phasen durchlebt. Die Beschützer- und Helferphase, die Kontrollphase und zuletzt die Anklagephase.

Im Familiensystem haben Partner*innen und Kinder die ihnen nicht zugeschrieben Rollen mit übernommen. Diese Rollen werden oft über mehrere Generationen weiter gelebt.

Wie können Angehörige ihre bewusst oder unbewusst angenommen Rollen auflösen?

Leider gibt es für Angehörige nur wenig Hilfe. Obwohl in der Fachwelt immer noch von Co-Abhängigkeit gesprochen und geschrieben wird, gibt es für diese ,,Abhängigkeit" kaum Hilfen und vor allen Dingen, keine Gelder. Wenn Therapien für die Angehörigen oder Familien notwendig werden, müssen diese in den vielen Fällen selbst gezahlt werden.

Die Suchtselbsthilfe ist eines der wenigen Instumente welches Hilfesuchende unterstützen kann. In gemischten oder Angehörigengruppen haben diese die Möglichkeit zur Aussprache und Unterstützung. Viele Verbände bieten Gesprächsgruppen in Krankenhäusern an.

Leider werden diese Angebote weit weniger genutzt als gedacht. Woran liegt das?

Werden die Hilfeangebote der Suchtselbsthilfe zu wenig kommuniziert? Sind die Angestellten in Beratungsstellen und Therapie zu wenig geschult, um Angehörige auf diese Angebote hinzuweisen?

Anscheinend gibt es in Sachen Angehörige noch viele Fragen zu klären.

In ihrem Referat ist Frau Leers sehr behutsam auf all diese Fragen eingegangen und hat auch wertvolle Tipps zu Gesprächstherapien innerhalb der Familie aufgezeigt.

Es ist wichtig zuerst zu schauen, wie wir weiter als Familie oder Paar funktionieren können. Das Gespräch suchen. Die Angehörigen müssen lernen loszulassen, ihren eigenen Weg finden, sich selbst wahrzunehmen. Gemeinsamkeiten neu entdecken aber auch eigene Interessen fördern und ausleben. Vor allen Dingen ihre Retterrolle verlassen und darauf achten das sie nicht ,,Rückfällig" werden.

 

Auch haben sich die Frauen nach dem Referat von Frau Leers über das Gehörte ausgetauscht, mit folgendem Ergebnis:

Als erstes viel den Frauen auf, das noch immer im medizinischen Bereich und in der Literatur von „Co-Abhängigkeit“ gesprochen und geschrieben wird. 

Wenn Angehörige „Abhängig“ sind, müsste es demzufolge auch eine medizinische Betreuung und Therapie geben. 

Wenn ich abhängig höre, fühle ich mich schuldig und nicht richtig. 

Unterstützung gibt es für Angehörige in der Selbsthilfe. 

Familien , Paare, Freunde, Kollegen müssen ihr Beziehungen neu formatieren. 

Angehörige leiden oft über 3 Generationen an ihren angenommen Rollen und können Jahre später wieder aufbrechen. 

Angehörige müssen lernen loszulassen und sich mehr um sich selbst kümmern.  

Neu aufstellen heißt an sich arbeiten. Seminare, Tagebuch, Erinnerungszettel können helfen.

Prüfen, ob eine Beziehung aufrecht erhalten und schauen ob es eine gemeinsame Zukunft geben kann. 

Geschehenes aufarbeiten, Gemeinsamkeiten entwickeln, jede Person braucht seinen eigenen Raum.

 

Karin Oerschkes, AK Frauen und Sucht im FAS NRW

Gender

Geschlechtergerechtigkeit und Gendersensibilität werden in NRW als Querschnittsaufgabe in Suchtprävention, Suchthilfe und Suchtselbsthilfe angesehen. Entwicklungen von Abhängigkeitserkrankungen wie auch Rehabilitation können nicht losgelöst vom Verhalten in Geschlechterrollen gesehen werden. Der FAS NRW teilt diese Einschätzung und ist bemüht, dies in Handeln und Sprache zum Ausdruck zu bringen.

Mit den Arbeitskreisen Frauen und Sucht sowie Männer und Sucht hält der FAS NRW entsprechende  Angebote vor. Beide Arbeitskreise gemeinsam gestalten in loser Folge zudem Gender-Fachtage, bei denen unter Einbeziehung hauptamtlicher Expertise Fragen und Ansätze aus dem Bereich Gender und Sucht erörtert werden.

 

Kontakt / Koordination:

Frank Happel – ALOS

Frank Happel

ALOS

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Karin Oerschkes – Kreuzbund DV Essen

Karin Oerschkes

Kreuzbund DV Essen

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Gabi Schuffenhauer-Hempel – ALOS Freundeskreise

Gabi Schuffenhauer-Hempel

ALOS Freundeskreise

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Joachim Winkler – BKD

Joachim Winkler

BKD

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