Schwelm.
Suchtprävention in Schulen
Mit durchschnittlich 13,6 Jahren greifen Jugendliche erstmals zur Zigarette. Das Einstiegsalter beim Alkohol liegt zwischen 12 und 15 Jahren. Bereits die Hälfte der 14-Jährigen haben Rauscherfahrungen. Eltern, Lehrer und Therapeuten beobachten, dass Jugendliche in den vergangenen Jahren immer früher in „Suchtkarrieren“ einsteigen.
Suchtprävention muss schon im Kindesalter beginnen. Kinder und Jugendliche verbringen einen großen Teil ihrer Zeit in der Schule. Deshalb haben wir in unserer offenen suchtpräventiven Jugendeinrichtung Villa „Xtra Dry“ ein Unterrichtskonzept zur Suchtprävention in Schulen entwickelt. In regelmäßigen Abständen werden wir zu Projektwochen und Schuleinsätzen an Grund- sowie weiterführenden Schulen eingeladen.
Unser Konzept enthält keine warenkundliche Aufklärung und Abschreckung, da sich solche Vorbeugemaßnahmen in der Praxis, wie auch in Studien als wenig erfolgreich erwiesen haben und sogar das Gegenteil bewirken können, nämlich Neugier. Prävention heißt für uns Förderung von sozialen Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Selbstachtung, Sinnfindung und Lebensfreude sowie das Erlernen von Konfliktbewältigungsfähigkeiten.
Das zentrale Ziel unseres Suchtpräventionskonzeptes ist die Stärkung des Selbstwertgefühls und des Selbstbewusstseins. Kinder und Jugendliche sollen lernen, in schwierigen Situationen eigenständig zu entscheiden, „Nein“ zu sagen und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.
Auf spielerische Weise werden die Schüler an die Themen herangeführt. Die Inhalte werden mit vielen Gegenstandslektionen, in Kleingruppen, durch Übungen, Experimente und Erfahrungsaustausch gemeinsam erarbeitet.
Selbstwertgefühl stärken – „Nein“ sagen lernen
Die Unterrichtsgestaltung kann dabei zwei bis vier Einheiten (zwei bis vier Schulstunden á 45 Minuten) umfassen und wird auf den jeweiligen Altersdurchschnitt der betreffenden Schulklasse beziehungsweise Gruppe individuell zugeschnitten.
Ein besonders eindrückliches Erlebnis ist für die meisten Schüler der Erlebnisparcours mit der Rauschbrille. Diese besondere Brille lässt den Benutzer seine Umwelt mit einem ungefähren Promillestand von 1,8 wahrnehmen. Hautnah können die Jugendlichen erleben, wie übermäßiger Alkoholkonsum ihre Reaktionsfähigkeit einschränkt und verzögert.
In den höheren Jahrgangsstufen bieten wir als Ergänzung und zur praktischen Vertiefung eine Cocktail-Arbeitsgruppe an. Hier lernen die Jugendlichen praktische Alternativen zum Alkoholkonsum kennen und können sich beim Mixen alkoholfreier Cocktails ausprobieren.
In den vorgenommenen Unterrichtseinheiten haben wir gemerkt, wie orientierungslos viele Kinder und Jugendliche in ihre Zukunft blicken. Schon Zehnjährige probieren Alkohol und andere Rauschmittel aus. Es ist so notwendig, diesen Kindern ein gesundes Selbstwertgefühl zu vermitteln, ihnen Orientierung zu geben und frühzeitig Alternativen zu Alkohol- und Drogenkonsum aufzuzeigen.
Tabea Drechsel, Schwelm |

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