Leseprobe Dezember 2008 |
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In der Zeit vor Weihnachten, die von Vorbereitungen und Vorfreude geprägt ist, erinnert uns dieser Artikel daran, dass es Menschen gibt, an denen wir oft vorübergehen und die durch ihre Einsamkeit von alledem ausgeschlossen sind.
Manchmal, wenn ich mit meiner Arbeit nur schwer vorankomme oder von der Geschwindigkeit des modernen Lebens überholt werde, erscheint mir der Gedanke sehr verlockend, alleine auf einer einsamen Insel zu leben. Keine Unterbrechungen, kein Telefon klingelt, niemand verlangt meine Aufmerksamkeit — nur Frieden und Ruhe. Ich kann mir dieses idyllische Bild gut ausmalen.
Wenn ich ehrlich bin, würde mir das allerdings nicht lange gefallen. Männer und Frauen wurden als soziale Wesen geschaffen; wir sind dafür gemacht, in Gemeinschaft zu leben. Von der Außenwelt abgeschirmt zu sein, ist nicht wirklich ideal. Aber wie viele Menschen führen heute ein sehr einsames Leben, das sie sich nicht ausgesucht haben? Sie mögen von vielen Leuten umgeben sein — in ihrer Straße, in den Geschäften, in der Nachbarschaft — aber dennoch sind sie einsam.
Einsamkeit wurde beschrieben als ein Gefühl der Leere, als Empfinden, von der Welt abgeschnitten zu sein. Allerdings erleben verschiedene Menschen unterschiedliche Grade von Einsamkeit und es gibt keine Definition, die alle diese Facetten abdeckt. Während der eine sich ein wenig leer fühlt, spürt jemand anders einen starken Mangel, unter dem er leidet. Freilich ist Einsamkeit auch nicht dasselbe wie Alleinsein.
Ein Kaufhausdetektiv erzählte eine bewegende Geschichte. Eine ältere Frau war beim Ladendiebstahl erwischt worden. Sie hätte jedermanns Mutter oder Großmutter sein können. Als der Sicherheitsbeamte sie in der Abteilung abholte und zum Büro des Filialleiters brachte, brach sie in Tränen aus, als er sie dabei vorsichtig am Arm berührte.
Erst als sie im Büro auf die Polizei warteten, beruhigte sich die Frau und erklärte, dass sie nicht deshalb weinte, weil sie erwischt worden war, sondern weil jemand zu ihr gesprochen und sie berührt habe. Das war der erste engere menschliche Kontakt gewesen, den sie seit Wochen erlebt hatte. Sie war schrecklich einsam.
Zwar ist ihre Tat in den Augen des Gesetzes nicht entschuldbar und ich würde sie auch nicht billigen, aber diese Begebenheit unterstreicht, was ich sagen möchte. An wie vielen Menschen gehen wir täglich vorbei, die sich nach einer kurzen Begegnung sehnen, die ihre Einsamkeit durchbrechen würde?
Robert Louis Stevenson schrieb: „Der Körper ist ein Haus mit vielen Fenstern: an diesen sitzen wir, zeigen uns und rufen den Vorbeigehenden zu, dass sie kommen und uns lieb haben sollen.“
Das Problem wird noch verschärft, wenn niemand auf den Schrei antwortet und die Betroffenen in ihrer Einsamkeit gefangen bleiben.
„Gefangen“ beschreibt es sehr treffend — Einsamkeit ist ein Zustand, der beibehalten wird, indem man ihn passiv weitergehen lässt. Die Betroffenen hoffen, dass er von selbst aufhört und wenn er es nicht tut, wird die Einsamkeit zu einem Gefängnis, das sich selbst aufrechterhält.
Mutter Teresa bemerkte dazu: „Als Christus sagte: ,Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben’, meinte er nicht nur den Hunger nach Brot und Essen; er meinte auch den Hunger nach Liebe. Jesus hat diese Einsamkeit selbst erfahren.“
Er kam in das Seine und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Das hat ihm damals wehgetan, und es tut ihm immer noch weh. Derselbe Hunger, dieselbe Einsamkeit, wenn man niemanden hat, der einen annimmt, liebt und will.
Dieser Jesus, den wir lieben und dem wir dienen, der Erlöser, den wir der Welt als Vorbild vor Augen halten, identifiziert sich mit unseren Erfahrungen und Gefühlen — er weiß, was Einsamkeit ist.
Vom Anbeginn der Zeit an haben die Menschen Einsamkeit erfahren, und doch leben gerade in unserer geschäftigen technischen Zeit, die von Schnelllebigkeit und Individualismus geprägt ist, zahllose Menschen unnötig in Einsamkeit. Da sind Kinder, die von denen, die sie schützen sollten, misshandelt und vernachlässigt werden, Teenager mit Schuldgefühlen und Erwachsene mit zerbrochenen Beziehungen.
Kommunikationsfehler, mangelnde Kontaktfähigkeit und soziale Zwänge vergrö- ßern die Last der Einsamkeit. Und wir sind jeden Tag von ihr umgeben! Sie herrscht nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in Gemeinden im ganzen Land.
Jeder Christ hat die Möglichkeit, den Teufelskreis der Einsamkeit bei denen zu durchbrechen, die isoliert und alleine sind. Ein Lächeln, ein Wort, ein Gespräch, ein Zeugnis — wir wissen nie, was das bewirken kann.
Paul Holifield; aus: Der Kriegsruf 49/07