Leseprobe Februar 2008


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Gott lenkt anders

Erkenntnis in Einsamkeit und Einöde

Einsam und öde – das war Susannes Befürchtung, als ihr Mann und sie vor fünf Jahren auf ein kleines Dorf in die Oberlausitz zogen. Ihr Mann wurde beruflich versetzt in eine fremde Gegend. Die Kinder waren gerade alle von zu Hause ausgezogen, sodass dem Ortswechsel nichts im Wege stand. Susanne fiel der Abschied schwer. Es schmerzte Freunde und Nachbarn, die gewohnte Umgebung und die alte Wohnung in der Stadt zu verlassen. Sie versuchte, sich Mut zu machen: „Ein Neuanfang bietet immer auch Chancen. Landluft ist gesund. Und wer weiß, welche Überraschungen und spannenden Wege Gott für mich und uns als Ehepaar vorbereitet hat.“

Planlos und einsam

Ihre Pläne, noch einmal einige Semester zu studieren und einen Englischkurs an der Volkshochschule zu belegen, legte sie erst einmal ad acta. Diesen Traum musste sie wohl abhaken. In ihrem neuen Wohnort gab es gerade mal einen Bäcker und eine Grundschule.

Ihr Mann ging seiner neuen Arbeit nach. Sie packte die Umzugskisten aus und richtete die Wohnung ein - unmotiviert und unzufrieden. Dieses Gefühl verstärkte sich, als sie eine Freundin besuchen kam. „Was machst du den ganzen lieben langen Tag in dieser trostlosen Gegend“, fragte sie etwas schroff und Susanne hatte Mühe, die Tränen zu unterdrücken.

Recht hatte sie, gestand sich Susanne ein. Oft war ihr langweilig. „Ich sehnte mich nach Menschen zum Reden, nach einem Besuch im Kino oder einem lebendigen Gottesdienst am Sonntagmorgen.“ Aber diese Erkenntnis verbesserte ihre Lage nicht, „stattdessen bemitleidete ich mich selbst“.

Warum hatte Gott sie in diese einsame Gegend geschickt? In ihrer alten Gemeinde hätte sie sich doch viel engagierter und motivierter für ihn einsetzen können. Und durch ein paar Kurse an der Hochschule hätte sie vielleicht die Chance gehabt, wieder in ihren erlernten Beruf als Buchhalterin einzusteigen.

Nicht weiter selbst bemitleiden

„Ich kann auch anders. Ich kann auch hier glücklich werden“, versuchte sie sich Mut zu machen. Susanne wollte nicht weiter Trübsal blasen. Durch Selbstmitleid und Schwermut würde sich ihre Situation nicht verbessern. Die Entscheidung, zuversichtlich zu sein, klang vernünftig. Die Umsetzung war dennoch in vielen Momenten schwer.

„Da ich ja genügend Zeit hatte, nahm ich mir vor, jeden Tag in der Bibel zu lesen und regelmäßig zu beten. Ich schilderte Gott meine Planlosigkeit und meine Einsamkeit. Ich schlug ihm vor, dass ich mich mit dem neuen Wohnort abfinden würde, und bat ihn im Gegenzug, mir in meiner traurigen Stimmung einige Hoffnungsschimmer zu zeigen“, diesen Handel bot sie Gott an. „Das war der entscheidende Anfang zur Veränderung“, kann sie im Rückblick sagen.

In einem der nächsten Gottesdienste griff der Pfarrer kurz vor dem Segen noch einmal zum Mikrofon und sagte: „Demnächst soll es in unserer Gemeinde einmal im Monat samstagabends eine neue Form des Gottesdienstes geben. Dafür suchen wir noch kreative Köpfe, die mitarbeiten möchten.“ Wer sich angesprochen fühlt, der solle zum ersten Vorbereitungstreffen kommen. Susanne fühlte sich angesprochen und spielt seitdem Gitarre in der Gottesdienstband. Zudem fand sie neue Freunde im Mitarbeiterteam.

Als zweiten Hoffnungsschimmer empfand sie die Begegnung mit einer jungen Frau am Bahnhof. Susanne wartete auf den Zug nach Dresden, die junge Frau las in einem Buch und stieg dann in den gleichen Zug ein. Während der Zugfahrt kamen die beiden Frauen ins Gespräch und die junge Studentin erzählte Susanne von ihrem Studium in Dresden. „In dem Moment schien sich in meinem Gehirn eine Tür zu öffnen“, erinnert sich Susanne. Warum war sie nicht selbst auf die Idee gekommen? Sie musste nicht in der Stadt wohnen, um zu studieren. Sie konnte auch mit dem Zug zur Hochschule fahren oder sogar ein Fernstudium beginnen – das tat sie dann auch.

Begeistert von Gottes Hoffnungsschimmern

„Gott hat mich zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort geschickt – das gilt sowohl für den besagten Gottesdienst, als auch für meine Begegnung am Bahnhof. Und es gilt auch für den Umzug auf ein kleines Dorf in die Oberlausitz.“

Susanne ist begeistert davon, dass Gott ihr einige Zeichen der Hoffnung gegeben hat, als sie sie brauchte. Nach ihrer Entscheidung, sich auf Gott und auf das Neue bewusst einzulassen, hat er ihr neue Wege und Möglichkeiten gezeigt. „Der Umzug, der mir zuerst völlig unbegreiflich erschien, hat sich als Gottes weise Führung entpuppt.“

bk

Fragen zum Schwerpunktthema dieser Ausgabe "Gott lenkt anders":

  1. Einsam, planlos und ohne Orientierung – in welchen Momenten in Ihrem Leben, haben Sie sich genauso gefühlt?
  2. Wodurch hat sich Ihre Stimmung und Ihre Lage wieder verbessert?
  3. Glauben Sie, dass Gott Ihre Lebenswege kennt und auch gezielt lenkt?
  4. Vielleicht haben Sie sogar konkrete Hinweise von Gott erhalten, was er von Ihnen erwartet und inwiefern Sie sich verändern sollten?



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