Leseprobe Mai 2007


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Gespräche in der Gruppe

Selbstbewusst und kontaktfreudiger ohne Alkohol

Ich bin Ute, 40 Jahre alt, verheiratet und habe eine siebenjährige Tochter. In meiner Jugend machte ich in Discos zum ersten Mal Bekanntschaft mit Alkohol. Wie das so ist, man probiert, um einfach mehr Spaß zu haben, lockerer zu sein. Ein kleiner Schwips war schon ein tolles Gefühl. Ich wurde erwachsen.

Führerschein, Ausbildungsplatz, erste feste Bindung, Trennung, Todesfälle innerhalb der Familie. Seit über 23 Jahren leide ich an einer Hauterkrankung und erlitt 2001 einen Hörsturz während einer Mutter-Kind-Kur.
Über meine Probleme habe ich nie sprechen wollen, versuchte mit allem allein fertig zu werden, und so wurde der Alkohol - wenn es sich zuspitzte, ich nicht mehr weiter wusste, verzweifelter wurde - schleichend über Jahre mein Freund. Ein kleiner Streit reichte schon aus.

Das Schweigen über Probleme

Ich hatte kein Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein mehr. Ich konnte es nicht mehr überspielen, ich wusste nicht, wann genug war, noch ein Schlückchen, es wird schon nicht auffallen, aber Motorik und Sprache verrieten mich immer wieder. Viele Menschen haben es mitbekommen, mir ging es weder dabei noch danach besser, im Gegenteil, ich steigerte mich noch mehr in meine Probleme hinein.
Keiner liebt mich, keiner hat mich gern, ich mache immer alles falsch. Warum gerade ich?

Flaschen versteckte ich an den unmöglichsten Stellen, damit sie nicht gefunden werden konnten. Aber auch dies fiel auf. Mein Ehemann und meine Eltern waren hilflos; sie wollten helfen, aber wussten nicht wie.
Ich blockte immer ab: „Das schaffe ich schon alleine. Es passiert nie wieder, versprochen!“

Das Gerede der Leute

Ich erfand Notlügen aus Angst, anstatt den ersten Schritt zu professioneller Hilfe zu wagen. Die Blöße wollte ich mir nicht geben, und vor allem war es das Gerede der Leute, was ohnehin schon vorhanden war.

Kurz nach meinem Geburtstag im März 2004 hatte ich einen so derben Absturz, wie ich es nie zuvor erlebt hatte. Ich wusste weder vom Ende des Abends noch vom nächsten Tag. Ich war wie scheintot von der Überdosis Alkohol.

Die Wende kam kurz darauf, als ich für zwölf Tage zu einer Entgiftung ins Krankenhaus ging. Meine Organe konnten sich wieder regenerieren. Gespräche mit dem Chefarzt und Besuche einer Sozialarbeiterin des Krankenhauses nahmen mir die Angst vor dem nächsten Schritt. Im Kopf hatte es Klick gemacht. Ich wollte auf keinen Fall so weiter machen wie bisher, wollte weder mir noch meiner Familie weiter schaden. Ich hatte die Nase gestrichen voll, von der Flasche weiterhin so abhängig zu sein und immer alles aufs Spiel zu setzen.

Deshalb besuche ich seit gut drei Jahren wöchentlich die Begegnungsgruppe des Blauen Kreuzes hier in Altena, wo ich vom ersten Moment an herzlich und verständnisvoll in den Kreis der Betroffenen aufgenommen wurde.
Ich fühlte mich gleich wohl und geborgen.

Veränderung durch Gespräch

In dieser Zeit habe ich gelernt, nicht wieder in meine alten Verhaltensweisen hineinzurutschen. Es ist die Selbsthilfegruppe, es sind die Einzelgespräche in der Beratungsstelle, die dazu geführt haben, dass ich heute soweit gekommen bin.

Ich versuche nun über alles sofort zu sprechen und nicht zu warten, bis es wieder zu spät ist. Ich erlebe seitdem viele positive Veränderungen an mir und meiner Umwelt. Ich trete selbstbewusster auf, bin unternehmungslustiger geworden gehe unter Menschen, bin offener geworden und nehme das Familienleben viel intensiver wahr. Ich bin lebensfroher, kontaktfreudiger und ich nehme gern an Freizeitangeboten des Blauen Kreuzes teil.

Es hat sich für mich gelohnt, den verlorenen Weg neu kennen zu lernen. Heute bin ich froh, dass mein Absprung nicht zu spät war. Alkohol ist kein Tabuthema mehr für mich. Ich sehe es jetzt als Krankheit, die meinen Körper und mich zerstören wollte. Damit konnte ich vorher nicht umgehen. Jetzt kann ich sogar offen darüber sprechen und schreiben.

(Name der Redaktion bekannt)

Fragen zum Schwerpunktthema dieser Ausgabe "Gespräche in der Gruppe":

  1. Fällt es Ihnen leicht, anderen Ihre Gedanken und Gefühle mitzuteilen oder sind Sie in Gruppengesprächen eher zurückhaltend?
  2. Wie würden Sie sich in dieser Hinsicht gern weiterentwickeln?
  3. Wie könnten die anderen Gruppenteilnehmer Sie dabei unterstützen?
  4. Welche Regeln und Verhaltensweisen sollten in Ihrer Gruppe mehr beherzigt werden, damit alle Teilnehmer die Gruppengespräche als Bereicherung empfinden?



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