Leseprobe Juli 2006 |
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„Zittrige Hände im Wettkampf: das ist wohl das Schlimmste, was einem Sportschützen, gerade auch in der Disziplin der Schnellfeuerpistole, passieren kann“, sagt der dreifache Olympiasieger Ralf Schumann. Sein letzter Olympiasieg, 2004 in Athen, prägte sein Leben ausschlaggebend: „Nach dem Finale begriff ich, dass es einen Gott geben musste, der mich unbegreiflich liebt - ohne Ansehen meiner Person“, sagt der Sportschütze Ralf Schumann und weiß, dass Gott ihn liebt mit und ohne Medaillen. Seine Ehefrau Anke freute sich mit ihm über den Olympiasieg, auch wenn es in ihrer Ehe in den letzten Monaten gekriselt hatte.
Es war bereits ein kleines Wunder, dass Ralf Schumann bei der Olympiade 2004 überhaupt im Finale stand. Zwölf Durchgänge lang hatte seine Hand gezittert wie ein Presslufthammer. Nur mit Mühe hatte er die kleinen, zylinderförmigen Patronen in seine Waffe geladen. Der Gang zum Schießstand war wackelig, der Griff zur Waffe unsicher. Doch immer wenn er mit Kimme und Korn die Zielscheiben anpeilte, wurde er plötzlich ruhig. So etwas hatte Ralf Schumann zuvor nie erlebt.
Der entscheidende Moment, die Endrunde kam: Das Lichtsignal schaltete von Rot auf Grün. Wie von selbst streckte er den Arm mit der Waffe nach vorn und gab innerhalb von vier Sekunden fünf Schüsse ab. Fünf Treffer in die Zehn in der Mitte der Scheibe.
Was hatten wohl die Gegner geschossen? Die Ergebnisse wurden ausgewertet, der Computer rechnetet. Die Minuten, bis das Ergebnis auf der Anzeigetafel auftauchte, schienen wie eine Ewigkeit. Endlich die Gewissheit: Ralf Schumann war Olympiasieger. Dieses Erlebnis war für ihn der Anstoß, nach Gott zu fragen.
Mit der Goldmedaille in der Tasche machte er sich auf den Weg zu einer Talkshow im griechischen Fernsehen. Während der Sendung wurden das Finale und die Siegerehrung noch einmal eingespielt. Erst da begriff er: „Nicht ich habe den Sieg geholt. Meine Nerven lagen doch die ganze Zeit blank und ich habe gezittert. Mir wurde bewusst, dass diese Medaille ein Geschenk war.“
Ralf Schumann kaufte sich eine Bibel und wollte der Sache mit Gott auf den Grund gehen. Je mehr er darüber nachdachte, desto überzeugter wurde er, dass Gott seine Finger im Spiel gehabt haben musste. Ralf begann sich zu verändern, Gott veränderte ihn.
Wie konnte er nur seine Ehe mit Anke riskieren? Was hatte er ihr alles angetan in den letzten Monaten? Konnte er es jemals wieder gut machen? Es folgte ein langes Gespräch, Anke gab ihrem Mann noch eine Chance, und er kehrte zu ihr zurück.
Sie sprachen nun viel über Gott und beteten miteinander. Ralf berichtete Anke von seinen Erlebnissen in Athen. Anke erzählte ihm von ihren Gebeten für eine gemeinsame Zukunft. Sie verstanden sich viel besser als früher.
Ralf Schumann wurde verständnisvoller: „Früher war ich egoistisch. Durch meinen Glauben bekam ich auch einen sensibleren Blick für meine Mitmenschen. Die Probleme anderer rückten mehr und mehr in den Vordergrund“, erinnert er sich.
Früher hatte er immer gedacht, er müsse sich seine Erfolge verdienen. Aber den Olympiasieg und noch eine Chance für seine Ehe hatte er sich nicht selbst verdient. Nein, das alles wurde ihm geschenkt, geschenkt von Gott. Mit dieser Erfahrung will Ralf Schumann gemeinsam mit seiner Frau Anke – ehemalige Weltklasseathletin mit der Luftpistole - auch anderen Menschen helfen.
Seitdem er Christ ist, sieht er die Welt und die Menschen mit ganz anderen Augen. „Gott hat mir die Gewissheit gegeben, dass er für jeden von uns einen Plan hat und dass jeder Mensch von ihm gewollt ist. Mit dem, was ich tue, möchte ich Gott für seine Liebe und Hilfe danken. Meine Fähigkeiten und Talente sind ein Geschenk von ihm. Ich habe die Pflicht, sie möglichst gut einzusetzen“, sagt er. Seine Liebe zu Jesus Christus zeigt der Sportler auch im Wettkampf. Auf seiner Schildmütze ist zu lesen „Jesus lebt“.
Seit Anfang Mai 2006 unterstützen Anke und Ralf Schumann das Blaue Kreuz. Suchtkranken und suchtgefährdeten Menschen wollen sie Mut machen, in schwierigen Situationen nicht aufzugeben, sondern aus dem Kreislauf an Verletzungen, Süchten und Einsamkeit herauszukommen.
Ralf Schumann sieht Parallelen zwischen sich als Sportschützen und einem Suchtkranken: „Beim Schießen ist mein Blick starr auf die Zielscheibe gerichtet. Auch ein Suchtkranker muss sich nach vorn orientieren, sich voll und ganz auf sein Ziel konzentrieren: auf ein Leben ohne das Suchtmittel.“
Um sich mit Betroffenen besser identifizieren zu können, wollen Anke und Ralf Schumann auf alkoholische Getränke verzichten. „Bereits vor Olympia habe ich anderthalb Jahre auf Alkohol verzichtet. Ich weiß, dass es schwer ist. Aber ich weiß auch, dass es mir und meinem Körper viel besser tut, ohne Alkohol zu leben“, sagt Ralf Schumann.
Er hofft, durch seine Abstinenz auch Vorbild für andere zu sein. Zudem möchte Ralf Schumann mit seinem Namen dazu beitragen, auf die Arbeit des Blauen Kreuzes aufmerksam zu machen.
BK