Leseprobe Dezember 2005


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Weihnachten als DDR-Offizier, als Alkoholkranker und als Christ

Wie aus dem „Krippenkind“ der lebensverändernde Gott wurde

Als DDR-Grenzoffizier musste ich aus der Kirche austreten. Weihnachten war ein gemütvolles Geschenk- und Familienfest, unsere Kinder erfuhren nichts vom neu geborenen Christus in Bethlehem. Ich wurde alkoholkrank, verlor meinen Posten und über viele Jahre waren die Weihnachtsfeste ein sehr trauriges familiäres Miteinander.

Ich entstamme einer Magdeburger Arbeiterfamilie, meine Eltern gehörten der Evangelisch-Lutherischen Kirche an, waren aber im Prinzip „Namenschristen“. Entsprechend alter Familientradition musste man getauft, konfirmiert und kirchlich getraut sein. Es gab eine alte Bibel und ein Gesangbuch zu Hause, aber nie zur Hand. Die Kirche wurde höchstens zweimal im Jahr besucht.

Selbstverständlich gab es einen Weihnachtsbaum zum Fest und bescheidene Geschenke dazu. Am meisten freuten wir Kinder uns über die Zuckerkringel als Baumbehang. Man hörte etwas von einem Christkind, welches geboren wurde, und sang altbekannte Weihnachtslieder. Diese Familientradition fortführend habe ich später in meiner eigenen Familie mit zwei Kindern genauso das Weihnachtsfest gefeiert.

Mit dem Christsein war es nun vorbei

Ich hatte erfolgreich bei SKET-Magdeburg, einem Schwermaschinenbaubetrieb, eine Lehre als Betriebselektriker abgeschlossen. Als Zwanzigjähriger habe ich mich 1955 freiwillig zu den „bewaffneten Organen“ der DDR, bei der Grenzpolizei, gemeldet. Gleich zu Dienstantritt forderte der damalige Politoffizier von mir, aus der Kirche auszutreten, diesem kam ich dann auch nach. Mit der „Frömmigkeit“ und dem „Christsein“ war es nun vorbei. Mit dem Glauben hatte ich nichts mehr „am Hut“, wie man so sagt.
Meine Kinder wurden nun im atheistischen Sinne erzogen, auf die eigentliche Bedeutung des Weihnachtsfestes gingen wir als Eltern nicht mehr ein. Weihnachten war für mich gemütvolles Geschenk- und Familienfest, zudem freute ich mich, dass nun die Jahreswende bevorstand. Als Ungläubiger feierte ich mit meiner Familie Weihnachten mit einem geschmückten Baum, wir sprachen vom „Krippenkind“, nicht von dem neu geborenen Christus in Bethlehem.

Als späterer Offizier ging ich nicht mehr in eine christliche Kirche zu den entsprechenden Festen. In den letzten Jahren meiner Dienstzeit wurde ich durch ständiges missbräuchliches Trinken alkoholkrank. Aus diesem Grund wurde ich aus dem aktiven Wehrdienst entlassen. Auch im Zivilleben ließ mich die Suchtkrankheit Alkoholismus nicht los. Über viele Jahre waren dann Weihnachtsfeste ein sehr trauriges familiäres Miteinander mit vielen Lebensschwierigkeiten.

Mein Trinkverhalten führte zu einem seelisch verkrüppelten Eheleben, zu einer familiären Zerrüttung. Ich selbst war am Ende, hoffnungslos, voller Ängste und totaler Verzweiflung. Ich nahm in dieser Situation eine Überdosis Schlaftabletten und wollte meinem Leben ein Ende setzen. Man fand mich schon bewusstlos. Im Klinikum in Plauen wurde ich reanimiert. Ich hatte unter der Last der Sünde und Schuld schwer zu tragen und bin unter dieser Last in Kraft- und Hoffnungslosigkeit zusammengebrochen.

Mut durch andere gerettete Suchtkranke

Mitte 1988 besuchten mich zwei Mitarbeiter der AGAS (Evangelische Arbeitsgemeinschaft zur Abwehr der Suchtgefahren), und trotz meines Widerstandes kam es zu einem aufklärenden und seelsorgerlichen Gespräch. Sie luden mich zur AGAS-Begegnungsgruppe ein und schickten mich im September 1988 zu einer Besinnungswoche nach Scheibenberg im Erzgebirge.

Die zehn Tage der Besinnungswoche wurden zum Grundstein und Beginn einer Lebenswende. Viele gerettete Suchtkranke haben mir als Zeugen neuen Glaubensmut geschenkt und vorgelebt. Im Vorfeld habe ich Gott angefleht: „Sei doch mein Retter, zieh mich heraus aus dem Sumpf der Suchtgebundenheit, aus dieser schutzlosen Tiefe.“ Gott hatte meinen elenden Zustand angesehen und schenkte mir bewahrende und rettende Nähe.

Aber ich war immer noch gefangen durch meinen eigennützigen Willen. Durch meinen anerzogenen, kalten Intellektualismus und meine nüchterne Rationalität verdrängte ich Emotionen und das gefühlsmäßige Erleben. Es kam zu einem Rückfall. Doch seit Februar 1990 bin ich frei und lebe eine dankbare Abstinenz. Seit neun Jahren leite ich nun selbst die Blaukreuz-Gruppen in Plauen im Vogtland.

Rettung durch die Kraft Gottes

Jetzt ist Weihnachten die hoffnungsvolle Botschaft für mich, dass durch die Kraft Gottes Rettung möglich ist für jeden, der glaubt. Der allmächtige Gott bietet mir in Jesus Christus eine menschen- und lebensverändernde Kraft an, die mich rettete. Ich nehme Jesus als meinen Herrn, Heiland, Retter und göttlichen Arzt an und vertraue ihm, weil er meine Schuld am Kreuz bezahlt und mir den Himmel geöffnet hat.

Es ist heute für mich das Natürlichste, dass ich mich freudig, offen, mutig und getrost und ohne Leidensscheu zum Glauben bekenne und davon Zeugnis ablege, was Jesus an mir Gutes getan hat. Gott hat mir Kraft und Mut gegeben, mein Leben neu zu ordnen, er hat mich gesund gemacht.

Wolfgang Kinder

Fragen zum Schwerpunktthema dieser Ausgabe „Weihnachten - Familientreffen oder Christi Geburtstag?“:

  1. Freuen Sie sich auf Weihnachten und woher kommt Ihre Vorfreude?
  2. Welche Bedeutung hat für Sie das Fest der Geburt Jesu Christi?
  3. Wie und mit wem verbringen Sie die Festtage?
  4. Kennen Sie einsame Menschen, die Sie zum gemeinsamen Feiern einladen könnten?



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