Leseprobe Juni 2005


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Wovon unser Glück abhängt

Steigt das Glück mit dem Kontostand?

„Geld macht glücklich“, diese Aussage provoziert! Aber stimmt sie auch?
Die meisten bleiben vage: „Es kommt darauf an“ oder „Eigentlich nicht, aber es beruhigt“. Sicher braucht es mehr als Geld, um glücklich zu sein. Aber was? „Glück besteht aus einem hübschen Bankkonto, einer guten Köchin und einer tadellosen Verdauung!“, sagte zum Beispiel Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), französischer Moralphilosoph, Dichter und Musiker. Stimmt das auch heute noch?


Unsere Vorstellungen von Glück verändern sich im Laufe der Zeit. Sie sind geprägt von unserem soziokulturellen Umfeld, vom Zeitgeist. Durch die uns beeinflussenden Eltern, Lehrer, Arbeitgeber, Freunde und Medien erhalten wir alle laufend - mehr oder weniger deutlich - Hinweise darauf, was wir zu tun haben, um glücklich zu werden. Drei Botschaften prägen den Menschen besonders:

1.  Bemühe dich!
Diese Botschaft basiert auf der Grundannahme, dass der Mensch eigentlich gut ist. Damit sich das Gute im Menschen voll entfaltet und er glücklich wird, sind die richtige Erziehung und Ausbildung sowie das stete Bemühen wichtig.

2.  Leiste viel!
Diese Botschaft leitet sich ab vom Grundprinzip unserer Leistungsgesellschaft, nach welchem angestrebte Güter wie Geld, Macht, Einkommen und Ansehen, wie man meint, nach der erbrachten Leistung verteilt werden. Wer viel leisten will und kann, wird alles erreichen, anerkannt, geschätzt und glücklich werden.

3.  Verwirkliche dich selbst!
Diese Botschaft gründet auf den wichtigen Werten Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstliebe. Ein angenehmes Leben führen, sich etwas gönnen, finanziell möglichst abgesichert, in geregelten Verhältnissen, frei und unabhängig zu leben - das bedeutet heute, glücklich zu sein.

Bemühe dich, leiste viel, verwirkliche dich selbst, steht letztlich auf den Wegweisern des Zeitgeistes, die uns zum Glück führen sollen. Bemühe dich und leiste viel, weil du dann viel Geld verdienen und Ansehen haben wirst. Mit dem Geld kannst du dich danach selbst ver-wirklichen, dir vieles leisten und glücklich werden: Geld macht glücklich.

Macht Geld wirklich glücklich?

„Geld macht glücklich!“ - wenige sagen das in unseren Breitengraden so direkt. Dafür sind wir zu gut erzogen. Viele würden es geradezu bestreiten. Aber unser Lebensstil entlarvt die Tatsache, dass wir genau so denken: Schon lange brauchen wir so viel Zeit für das Haben, dass keine mehr für das Sein bleibt. Das Geld dient nicht uns, sondern wir dem Geld.

Wir investieren Lebenszeit, Willen, Gefühle, Verstand, Gesundheit, Beziehungen und Stunden, die eigentlich unseren Lebenspartnern und Kindern gehören würden, um Geld zu ver-dienen, welches wir zur Sicherung unserer Existenz gar nicht benötigen.

Wir tun enorm viel, um Dinge zu bekommen, die wir nicht brauchen und um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen. Das zeigt, wie sehr wir dem Zeitgeist glauben, dass Geld glücklich macht.

Steigt das Glück mit dem Kontostand?

Die Überprüfung des Glücklichseins anhand von statistischen Fakten aus reichen Industrie-ländern zeigt ein erschreckendes Bild: Geld ist das Hauptmotiv für Gesetzesbrüche, Scheidungen und Selbstmorde - gerade auch bei Führungskräften. Geld verursacht sehr viel Elend. Welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus?

Wir sind auf Irrwegen:
Die Wegweiser des Zeitgeistes führen uns in die falsche Richtung. Selbstverständlich ist es gut, sich zu bemühen, viel zu leisten und sich selbst zu verwirklichen. Es ist angenehm, viel Geld zu verdienen. Aber es ist ein Irrtum zu glauben, dass man dadurch glücklich wird. Geld macht nicht glücklich!

Wir haben das Ziel aus den Augen verloren:
Es geht nicht darum, (erfolg-)reich zu werden, sondern glücklich. Das ist das Ziel. Doch der vom Zeitgeist gewiesene Weg führt nicht ans Ziel.

Diese Wahrheit zu erkennen und Konsequenzen für die eigene Lebensgestaltung zu ziehen, ist gerade für Leistungsträger und Führungskräfte sehr schwer. Darum halten es die meisten mit dem Motto „Augen zu und durch“.

Mit dem nächsten Karriereschritt, mit der nächsten Bonuszahlung, mit dem nächsten Jahresabschluss, mit der nächsten Frau (dem nächsten Mann) wird alles besser. Wenn ich noch mehr leiste, mich noch mehr bemühe und mich selbst verwirkliche, dann werde ich glücklich. Der Teufelskreis schließt sich. Was für eine Illusion! Niemand weiß mehr, wo der Weg ins Glück zu finden ist.

Was wirklich zählt

„Ich bin der Weg“, hat ein knapp 30-Jähriger einmal gesagt. Er sagte nicht wie all die Gurus, er kenne den Weg, sondern: „Ich bin der Weg“. Damit hat er nicht nur bei seinen unglücklichen Landsleuten gewaltiges Aufsehen erregt, die von einer westlichen Weltmacht unterdrückt wurden. Bis heute wirken diese Worte von Jesus Christus nach. Seine Menschenkenntnis und die darauf basierenden Wegweiser waren und sind so überzeugend, dass sich auch heute noch Millionen von Menschen auf diesen Weg machen.

Jesus Christus hat durchschaut, dass sich viele Menschen - auch mit religiösen Aktivitäten - sehr bemühen und viel leisten, um angesehen, anerkannt und letztlich vor allem geliebt zu werden. Denn Liebe macht viel glücklicher als Geld, da sind sich alle einig.

Auch wenn es heute so scheint, dass Glück jenseits des Ladentisches immer unerreichbarer wird. Geld und Konsum sind zum Liebesersatz geworden, wie dies die Fernsehshow mit dem Titel „Geld oder Liebe“ auf den Punkt bringt.

Aber Geld kann die Liebe nie ersetzen. Was sich kaufen lässt oder verdient werden muss, kann nicht Liebe sein. Liebe macht glücklich, darum heißt der wichtigste Wegweiser von Jesus ins Glück nicht „Leiste viel!“, sondern: „Tritt ein in eine Liebesbeziehung mit Gott; lass dich lieben und liebe die anderen wie dich selbst“. Und das, obwohl er - im Gegensatz zum Humanismus - illusionslos weiß, dass wir trotz unserer Erziehung und all unserer Bemühungen immer Fehler machen werden.

Liebe, die nur Gott geben kann

Seine Botschaft lautete deshalb nicht: „Bemüht euch!“, sondern „Vergebt einander!“ Er wusste, wenn wir es schaffen, uns vergeben zu lassen und den anderen - selbst unseren ärgsten Feinden zu vergeben - wird das Lebensglück aller steigen.

Alle Wegweiser der Bibel zeigen auf die Liebe, denn Liebe macht glücklich. Eine bedingungslose Liebe, die nichts mit dem „Verwirkliche dich selbst“ zu tun hat. Eine Liebe, die uns so annimmt, wie wir sind. Eine Liebe, die uns tief greifend verändert und tatsächlich befähigt, uns selbst und den Nächsten zu lieben. Eine Liebe, die nur Gott geben kann, weil er uns nach seinem Ebenbild geschaffen hat und darum eine Liebesbeziehung mit uns will. Genau wie Eltern mit ihren Kindern.

Er, der Vater im Himmel, hat seinen Sohn gesandt, um uns von unseren Illusionen zu befreien und auf dieses wahre Glück im Leben eines Menschen hinzuweisen. Seine Botschaft lautet: „Kehr um von den Irrwegen, die dich nicht glücklich machen, und folge mir nach, damit wir eine Liebesbeziehung haben können. Ich bin der Weg.“

Thomas Giudici
 

Fragen zum Schwerpunktthema dieser Ausgabe „Glück“:

  1. Was macht für Sie Glück aus?
  2. Sind Sie glücklich oder noch auf der Suche danach?
  3. Wann und wofür haben Sie zum letzten Mal einem Menschen gedankt?
  4. Wofür könnten Sie Gott danken?



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