Leseprobe Dezember 2004


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Weihnachten ist ganz anders

Freier Zugang zu Gott

Es passte alles nicht zusammen, als die drei Männer vor der halb zerfallenen Tür standen. Sie kamen sich wohl selbst etwas merkwürdig vor. Womöglich hatten sie am Morgen in der Karawanserei noch ein Bad genommen, die besten Kleider angezogen und die wertvollen Geschenke eingepackt. Und das sollte nun der Höhepunkt ihrer Reise sein? Dieser Stall? Hatten sie sich etwa in der Haustür geirrt? Dazu waren sie losgezogen? All ihre Erwartungen hatten sie auf diesen Augenblick hin wach gehalten. Wie oft hatten sie sich gegenseitig in leuchtenden Farben davon erzählt, wie das sein könnte, wenn sie ihn sehen würden.

Zu große Erwartungen?

Und jetzt? Keine Fahnen, keine Märsche, keine Militärparade, keine offiziellen Reden. Jetzt standen sie vor einer so genannten Notunterkunft, wie man ihnen in der Stadt gesagt hatte. Hier stimmt etwas nicht, könnten sie gedacht oder gesagt haben – oder haben wir etwa viel zu große Erwartungen gehabt?

Zu große Erwartungen können mich selbst blockieren. Zu große Erwartungen an Menschen, an Ehepartner, Kinder, Arbeitskollegen, Freunde. Zu große Erwartungen an Weihnachten, an Gott. Meine Vorstellungen, wie ich mir das gedacht, zurechtgelegt hatte, stimmen nicht mit dem überein, was wirklich ist. Zu große Erwartungen muss ich allerdings selbst korrigieren, nicht die oder der andere. Ich habe ja meine Erwartungen zu hoch angelegt. Die drei Männer damals

vor der Höhle, die als Stall benutzt wurde, die man in Bethlehem Notunterkunft nannte, also die Weisen aus dem Morgenland, haben nicht abgedreht. Sie sind durch ihre eigenen zu hohen Erwartungen nicht geblockt worden. Sie sind hineingegangen und haben das Anderssein Gottes akzeptiert. Sie haben geglaubt, dass Gott so in diese Welt kommt und nicht so, wie sie es sich in ihren Erwartungen ausgemalt und selbst zurechtgelegt hatten.

Auch heute kommt Gott manchmal überraschend anders, als wir denken. Darum sollten wir unsere Weihnachtserwartungen wach halten.

Niedrige Hemmschwelle

Stellen Sie sich einmal für wenige Sekunden vor, die Geburt Jesu Christi wäre nicht im Stall in Bethlehem geschehen, sondern in einem der Paläste des Königs Herodes oder im Kaiserpalast in Rom. Nicht in einer Krippe, sondern auf weichen Kissen, begleitet von Ärzten, Schwestern und Hebammen, mit ausgewogener Ernährung, saugfähigen Windeln, in geheizten Räumen. Vielleicht sogar mit Böllerschüssen, Gratulationsempfang ausländischer Staatsvertreter und den Honoratioren des Landes.

Die heiligen drei Könige wären vielleicht noch empfangen worden. Aber die Hirten von den Feldern Bethlehems, denen verkündigt wurde: „Euch ist heute der Heiland geboren“, die wären mit ihren abgetragenen Kleidern und dreckigen Sandalen nie reingekommen. Die Könige allerdings, als sie dann nach Bethlehem kamen, mussten sich in der niedrigen Stalltüre ganz schön bücken. Gott kommt kleiner, niedriger als wir denken. Gott baut keine großen Hemmschwellen ein, wer würdig oder berechtigt ist, zu ihm zu kommen. Gott schafft einen Zugang zu sich selbst, der verblüffend einfach ist.

Er kommt in der Hilflosigkeit eines Kindes. Keine Vorleistung, Bedingungen: Bei meinem Sohn Jesus Christus sind nur Menschen zugelassen mit dieser oder jener Bildung, Zertifikaten und gesellschaftlichem Stand. Diese oder jene Kleiderordnung ist obligatorisch. Nein, keine heimlichen Hintertüren, sondern eine offene Tür und die gleiche Zusage wie damals, oder auch heute: „… denn euch, dir, ist heute der Heiland geboren.“

Der Heiland ist der, der die Zerrissenheit zwischen Gott und mir wieder heil macht, der mir den Zugang zu Gott, dem Vater, ermöglicht. Das nennen wir auch Weihnachten. Ich gehöre jetzt bei Gott dazu.

N. N.

Fragen zum Schwerpunktthema dieser Ausgabe „Weihnachtserfahrungen“:

  1. Wie bereiten Sie sich auf Weihnachten vor?
  2. Wie sieht Ihr ideales Weihnachtsfest aus?
  3. Welches war Ihr schönstes Weihnachtsfest?
  4. Was bedeutet Ihnen die christliche Botschaft von Weihnachten?


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