Leseprobe April 2004


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Schnittstelle von Zeit und Ewigkeit

Warum es so entscheidend ist, dass das Grab Jesu leer war

Ist das leere Grab wirklich so wichtig? Kommt es nicht auf den auferstandenen Jesus, auf den Herrn an? Ist das leere Grab nicht ein mehr oder weniger unwichtiges Detail?

Ist es nicht eine Nebensächlichkeit, über die man durchaus verschiedener Meinung sein kann? "Wir glauben doch an Christus! Wir glauben doch nicht an das leere Grab!" Mit dieser Feststellung wird schon das Interesse am leeren Grab bestritten und als theologisch kleinkariert oder gar abwegig zurückgewiesen.

Diese Argumentation ist nicht schlüssig, ja sie ist theologisch bedenklich. Sie ähnelt in ihrer Logik der Antwort des Autofahrers, der ein Spitzenprodukt deutscher Pkw-Produktion kauft und sich auf das Autofahren freut, aber die Frage empört zurückweist, ob er nicht noch tanken müsse, bevor er losfahren wolle: Er habe doch ein Auto gekauft, den Sprit brauche er nicht. Das leere Grab gehört zum Auferstandenen dazu wie der Kraftstoff zum Autofahren.

In der Tat: Wir glauben nicht an das leere Grab, aber wir können nicht glauben ohne das leere Grab. Wir können uns auf die Auferstehung Jesu nicht verlassen, wenn wir das nicht sicher wissen können: Sein Leichnam, den die Jünger vom Kreuz abnahmen, ist dort in dieser Felsenkammer nicht verwest.

Jesus ist leibhaftig auferstanden. Wir glauben an Christus, nicht an das leere Grab - das ist also eine unlogische, im besten Falle eine unbedachte Äußerung.

Woran es sich entscheidet

Wie wichtig das leere Grab ist und was sich hier für unseren Glauben entscheidet, zeigt die Debatte um die Thesen des Göttinger Universitätsprofessors Gerd Lüdemann. Er bestreitet die Auferstehung Jesu. Was er zu den Ostertexten des Neuen Testamentes schreibt, ist gar nicht so neu. Seine Ergebnisse werden von vielen Theologieprofessoren geteilt.

Widerspruch bekam Gerd Lüdemann von seinen Kollegen vor allem deshalb, weil er so radikale Konsequenzen aus seinen Thesen zog: Christsein, christlicher Glaube, die ganze Kirche hat doch keinen Sinn, wenn Jesus nicht auferstanden ist und wenn wir davon ausgehen müssen, dass Jesus in einem Grab verwest ist.

Diese Radikalität macht den Göttinger Querdenker schon fast wieder sympathisch. Denn genauso argumentiert ja auch Paulus: Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann ist euer Glaube nichtig; dann hat er keinen Grund; dann glaubt ihr an gar nichts; dann lebt ihr noch in euren Sünden. Denn dann ist ja gar nichts passiert.

Dann ist alles eine große Einbildung, und dann seid ihr die Elendesten aller Menschen (vergleiche 1. Korinther 15, 14.17.19).

Und woran soll sich das denn zeigen, dass Jesus auferstanden ist, wenn nicht daran, dass das Grab wirklich leer war?

Über spirituelle Wirklichkeiten, geistige Realitäten, Erfahrungen des Auferstandenen kann man viel und wolkig reden. Und das haben auch die, die das leere Grab bestritten haben oder in Zweifel ziehen, umso kräftiger getan, je weniger sie davon überzeugt waren: Jesus, der Herr, ist wirklich auferweckt worden (vergleiche Lukas 24, 34). Das „wirklich“ - genau das entscheidet sich am leeren Grab!

Für das Neue Testament ist es völlig eindeutig: Auferstehung meint natürlich und selbstverständlich Auferstehung des Leibes. Wenn der Leib nicht auferstanden ist, wenn das Grab nicht leer war, dann können wir uns alles Mögliche einbilden; dann können wir - wie es ja in anderen Religionen ständig geschieht - die „tollsten“ und erhebensten spirituellen Erfahrungen machen - nur eines muss klar sein: Erfahrungen des Auferstandenen, Begegnungen mit Jesus sind das dann nicht. Wie hältst du’s mit dem leeren Grab? - das ist die Testfrage.

Dass es wirklich Hoffnung gibt für uns und für diese Welt, das zeigt sich allein am leeren Grab, an der leibhaften Auferweckung Jesu. An dieser einen Stelle berührt die Ewigkeit die Zeit - sichtbar, wahrnehmbar, unbestreitbar - auch für einen Historiker.

Gott kann etwas ausrichten

An dieser einen Stelle hat Gott gezeigt, dass er die Macht hat gegen den Tod, und das heißt gegen alle Mächte, die in dieser Welt auf Verderben, Zerfall, Zerstörung hinwirken. Das leere Grab heißt: Gott kann.

Das leere Grab heißt: Es gibt eine Stelle in der Weltgeschichte, wo das jetzt schon ganz klar ist: Gott kann etwas ausrichten gegen Sünde, Tod und Teufel. Es gibt Zukunft. Gott und seine Gerechtigkeit behalten am Ende Recht.

Wenn wir darauf nicht vertrauen könnten, wenn das nicht die Osterbotschaft wäre, die Osterzuversicht, die die christlichen Zeugen bis heute treibt, könnten wir es denn glauben im Angesicht dieser vergehenden Welt (1. Korinther 7, 31)?

Nun aber ist klar: Weil das Grab Christi leer war, darum wird auch mein Grab einmal leer sein. Weil Christus auferweckt worden ist, der Erstling der Auferstandenen (1. Korinther 15, 20; Kolosser 1, 20), darum werde auch ich auferstehen.

Weil Gott ihn der Macht des Todes entreißen konnte, darum wird er es auch schaffen, mir, auch nachdem mein Körper sich zersetzt hat, eine neue leibliche Identität zu geben.

Heinzpeter Hempelmann

Fragen zum Schwerpunktthema dieser Ausgabe „Ostern“:

  1. Was bedeutet für Sie Ostern?
  2. Ist es für Sie wichtig, dass Jesus Christus wirklich leiblich auf erstanden ist?
  3. Welche positive Kraft könnte hinter der Osterbotschaft stecken?
  4. Können Sie die Osterfreude der ersten Christen nachvollziehen?


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